Es war einmal im Jahre 1818 in Courmayeur, am Fuße des höchsten Berges der Alpen. Eine Familie, mit äußerst ungewöhnlichen Zielen und Visionen, hatte die Zeichen der Zeit - oder zumindest des langsam aufkeimenden Alpinismus - erkannt. Mit Schmiedekunst und Ideenreichtum entstand aus einem gewöhnlichen Arbeiterpickel ein durchdachtes Spezialgerät für Schnee und Eis: der wahrscheinlich erste Eispickel der Welt. Freilich wurde der Innovationsgeist der Grivels seinerzeit mit einiger Skepsis beäugt und doch hatte die Familie damit Erfolg. Die Grundform des klassischen Führerpickels ist bis heute geblieben und steht seit jeher als Symbol für den Alpinismus.
Vom Grivel Tourenpickel zu den ersten Steigeisen
Ein Eispickel allein gibt auf Schnee und Eisflanken nicht genug Halt und so war es nur eine Frage der Zeit bis die ersten Steigeisen aus Stahl die Schmiede verließen. Als Grundstoff diente zunächst hochwertiger Stahl aus Eisenbahnschienen, doch die Grivels waren neuen technischen Erkenntnissen gegenüber sehr aufgeschlossen: neue Stahlsorten und verbesserte Veredelungsprozesse sowie neue Formen ließen Grivel immer wieder innovativere Ausrüstung hervorbringen. Ein epochaler Schritt war ohne Frage das Zwölfzacker-Steigeisen von Laurent Grivel im Jahr 1932. Seine Erfindung prägte den Alpinismus zu jener Zeit und beeinflusste die Klettertechniken im Eis stark. Heutzutage bieten neuartige Pressverfahren für spezielle Formen vielfältige Möglichkeiten. Das "3 Dimensional Relief Stamping (3DRS)", eine hauseigene und exklusive Herstellungsmethode, ebnete den Weg in die hochmoderne Produktion. Givel festigte damit nicht nur seinen Status als Technologieführer sondern schaffte es auch die besten Bergsteiger mit extrem leichten, aber hochstabilen, Steigeisen auszurüsten.
Bis heute sind Steigeisen und Eispickel die Grundsäulen von Grivel. Beide Produktsparten werden nach wie vor in den italienischen Alpen gefertigt. Vielleicht ist es gerade diese Nähe zum Berg, die Grivel-Produkte mit einem speziellen Bergsport-Spirit versieht. Direkt aus dem Fenster der Fertigungshalle fällt der Blick hoch hinauf in die Schneefelder, die Eisrinnen und den Fels. Genau dorthin, wo sich Pickel und Steigeisen am wohlsten fühlen.
Grivels Weg zum Überleben
Dass auch stahlharte Steigeisen und Eispickel kein krisenfestes Geschäft sind, musste Grivel Anfang der 70er-Jahre erfahren. Der Familienbetrieb geriet unter immer stärkeren Konkurrenzdruck und konnte gerade so auf regionaler Ebene überleben. Billigprodukte aus dem Ausland und rasant wachsende Märkte waren zu viel für das Traditionsunternehmen, das bis dato durch Qualität und Know-How gute Geschäfte gemacht hatte. Die Wende kam um 1982, als sich um Gioachino Gobbi ein neues Management formierte, das 160 Jahre Tradition und einen klingenden und vor allem respektierten Namen wie Grivel nicht abschreiben wollte. Ein Bergsteiger steht schließlich immer wieder auf. Seither macht Grivel regelmäßig von sich reden - sei es mit innovativen Steigeisen oder ständig verbesserten und spezialisierten Pickeln. Heute hat das Unternehmen Sitze in Courmayeur, in Verrayes im Aosta Tal, in Vivaro im Friaul und in Chamonix in Frankreich.
Vorbild in Sachen Energie
3.656 Quadratmeter Panele auf dem Dach dienen als Solarladegerät und die Sonne Italiens sind der Motor der Produktion in Courmayeur. Die riesige Photovoltaikanlage treibt die Stahlschmieden und die Aluminiumpressen der darunter liegenden Produktionsstätten an. So findet die Energie der Sonne ihren direkten Weg in die Steigeisen und Eispickel von Grivel. Die harten Fakten überzeugen. Mit an die 516 kWp Leistung, was ungefähr der Menge an Energiebedarf von etwa 200 Familien ausmacht und an die 806 Kilo Kohlendioxid einspart, kann Grivel als eine der einzigen Firmen weltweit für sich eine klare Vorreiterrolle beanspruchen: Die hocheffiziente Solarenergieanlage des Unternehmens speist die Produktion in Courmayeur und wird nachhaltiger mit jedem Tag. Nach 25 Jahren wird diese Anlage ca. 12.000.000 KWh Energie produziert haben. Das entspricht in etwa dem Bedarf einer Familie in 4.200 Jahren. Stahl- und Aluminiumverarbeitende Industrie ist die wohl energieintesivste Industrie weltweit.
Warum macht das Grivel und warum produziert man nicht wie (fast) alle anderen Hersteller in Asien? Die Antwort der Italiener ist einfach: Weil wir es können und wollen! Das war freilich nicht immer so, aber ab einem bestimmten Punkt muss man sich entscheiden. Gioachino Gobbi und sein Team haben die Entscheidung bewusst gefällt: Sie haben sich ein Ziel gesetzt und sich drei fast schon ethisch moralische Grundsätze zu Herzen genommen, die für die strategische Unternehmensführung richtungsweisend sind. Zunächst liegt der Fokus auf dem Einsatz regenerativer Energien und einer minimalen Landnutzung. Alls dritter Vorsatz kommt die Stärkung regionaler Wirschaftskreisläufe ins Spiel - nicht umsonst sind Grivel-Produkte also "Made in Italy".
Zusammen könnte man diese Unternehmensgrundsätze als nachhaltig oder weitsichtig betrachten, vorbildlich sind sie allemal. Nach eigenen Aussagen entspringen sie dem Glauben, dass vorteilhaftere ökonomische Bedingungen nicht über die Zerstörung von Know-How und Erfahrung bestimmen sollten und es außerdem keinen anderen und besseren Platz gibt innovative Bergsportausrüstung zu entwickeln als in den Alpen. Die Alpen und ihre Gipfel in unmittelbarer Nähe sind Grivel enorm wichtig. Sie sind mit ein Grund, Grivel Risiken eingegangen ist, um jetzt stolz als Vorreiter und Best-Practice Beispiel-eine Vorbildrolle für andere Hersteller darzustellen. Spirit, Know-How, Qualität und auch Selbstvertrauen haben sich durchsetzen können.
Robust und verlässlich
Genau das spürt man auch, man wenn man auf den Frontalzacken seiner Grivels in 300 Meter Höhe in der Wand steht und die Eisschraube ihren Weg in schwieriges Eis findet: den Spirit und das Selbstvertrauen, aber auch das Know-How, das in den Eisen steckt. Wenige Hersteller liefern so hochgradig durchdachte Produkte mit solch gleichbleibender Qualität wie Grivel. Ich selbst verlasse mich gern auf die italienischen Schmiede und vertraue ihren Fähigkeiten", sagt Alex B., der als Produktmanager bei Bergzeit unter anderem für den Einkauf von Grivel zuständig ist.